Termin Nachlese & Presse-Echo

Streitgespräch "Arm sein in Saus und Braus", 19.3.2007, Linz

Bericht vom Streitgespräch "Arm sein in Saus und Braus" in Linz

Am 19.3.2007 abends trafen im Linzer Ursulinenhof zwei Expertinnen mit sehr konträren Ansichten zum Thema Grundsicherung zusammen.

Mag.a Margit Appel von der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) und Dr.in Barbara Kolm-Lamprechter vom Hayek Institut Wien diskutierten im 4. Streitforum des Forums St. Severin, des OÖ Journalistenforums, der Katholischen Hochschuljugend Linz und des OÖ Presseclubs. Die Frage lautete: Arm sein in Saus und Braus: Ist der Kapitalismus der einzige Weg zu Wohlstand und Fortschritt oder führt er zu "Armut in Würde"?

In respektvoller Weise standen bald zwei Positionen gegenüber, die das Publikum schnell zum Mitreden animierten.

Mag.a Appel betonte, dass der Sozialstaat wesentlich die Funktion des demokratischen Systems bestimme. Die Ökonomie habe ihren Dienst zu leisten, solle aber keinesfalls die gesellschaftlichen Vorgänge dominieren. Der Ausgangspunkt für die Grundsicherung seien die sozialen Menschenrechte und Ziele seien Würde, Selbstbestimmung und Existenzsicherung jedes Menschen. Jede Form der Grundsicherung müsse so konzipiert sein, dass sie nicht noch weiter Verhältnisse absichert, die ohnedies schon gut gesichert sind. Der Kapitalismus führe von selbst nicht zum Wohlstand, leider auch nicht zu Armut in Würde.
Es werde oft das entsolidarisierte Verhalten von niedrigen Einkommensgruppen in den Blick genommen, aber selten das entsolidarisierte Verhalten der Vermögenden.
Es gehe darum ein tätiges Leben mit Verantwortung für die Gesellschaft zu führen. Es sei nicht richtig, bestimmte Vermögensgruppen anzuprangern, ohne etwas in der Gesellschaft zu verändern.

Dr.in Kolm-Lamprechter erläuterte ihre Sicht des freien Marktes. Der Markt regle sich selbst, je weniger eingegriffen werde, desto leichter ließen sich Probleme lösen. Grundsätze der Globalisierung seien: 100.000e Familien sind in Asien aus der Armut herausgeholt worden, Wohlstand in Asien bringt auch Druck auf Europa. Basis für Wohlstand ist die wirtschaftliche Freiheit. Wohlstand und Demokratie bringen Frieden. Dort wo Güter Grenzen überqueren gibt es keine Waffen.
Jenen Menschen müsse geholfen werden, die sich selber nicht helfen können. Es sei allerdings die Frage, wie dies geschehen kann. Der "überbordende Wohlfahrtsstaat" ließe sich nicht mehr finanzieren.
Die Menschen, die Hilfe brauchen, wenden sich als letztes an den Staat. Für Hilfe solle nicht automatisch der Staat verantwortlich sein. Die Voraussetzung für Wirtschaftswachstum sei die Sicherung der Eigentumsrechte und die Grenzen der Staatstätigkeit. Individuelle Arbeitsfreude sei zu schaffen. Beim Modell der Grundsicherung sei noch zu viel ungeklärt. Es sei simpler, wenn man Wirtschaftswachstum generiert, dann gehe es Menschen besser.

In der anschließenden kontroversen Diskussion wurden folgende Themen angesprochen:
Wie könne die Grundsicherung oder das bedingungslose Grundeinkommen finanziert werden? Was würde es verändern, wenn alle ein Grundeinkommen bekommen?
Welche Bedeutung habe der Staat in der freien Marktwirtschaft? Was bedeutet Verantwortung für jeden Einzelnen und für die Wirtschaft? Welches Menschenbild stehe hinter den Ansätzen?

Die veranstaltenden Gruppen möchten mit dem Streitforum aktuelle Themen auf hohem Niveau kontrovers diskutieren. Mit diesem Abend ist das gelungen.

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Quelle: Presseaussendung des Kommunikationsreferates der Diözese Linz