Lohnarbeit ist nicht gleich Lohnabhängigkeit

Zur Grundeinkommmenskritik von Markus Koza

Christof Lammer, 25.07.2017                                                                                  

Einer der lautesten grünen Kritiker*innen des Grundeinkommens wird voraussichtlich im Oktober 2017 in den Nationalrat gewählt. In aktuellen Artikeln zum Grundeinkommen in österreichischen Wochenmagazinen wird Markus Koza als "Stimme der Gewerkschaft" viel Raum gegeben (Profil 15.2.2017, News 12.6.2017). Doch was steckt hinter seinem angeblich „grundsätzlichen Einwand“? Christof Lammer vom Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt – B.I.E.N. Austria argumentiert, dass Koza nicht zwischen Lohnarbeit und Lohnabhängigkeit unterscheidet.

Die Grünen sehen sich gezwungen zum Grundeinkommen Stellung zu beziehen. Es zeugt von der zunehmenden Stärke unserer Forderung. Einer der lautesten grünen Kritiker*innen des Grundeinkommens konnte sich im Juni in Wien einen aussichtsreichen Listenplatz sichern und wird voraussichtlich im Oktober 2017 in den Nationalrat gewählt. In aktuellen Artikeln zum Grundeinkommen in österreichischen Wochenmagazinen wird Markus Koza als „Stimme der Gewerkschaft“ viel Raum gegeben (Profil 15.2.2017, News 12.6.2017).
Doch was ist dran an seinem angeblich „grundsätzlichen Einwand“?

Markus Koza von der AUGE/UG behauptet, dass die Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen grundsätzlich widersprüchlich sei. Denn einerseits verspreche das Grundeinkommen die "Befreiung von der Lohnarbeit", während es andererseits doch gerade für die Finanzierung möglichst viele Menschen in Erwerbsarbeit benötigen würde.

Doch der Widerspruch liegt nicht in der Forderung an sich, sondern in Kozas speziellen Lesart. Er unterscheidet nicht zwischen Lohnarbeit und Lohnabhängigkeit. Das Grundeinkommen verspricht nicht die allgemeine Befreiung von der Lohnarbeit, sondern die Relativierung der Lohnabhängigkeit. Die Lohnarbeit bleibt zunächst als gesellschaftliche Institution – neben dem Kapital – auch mit dem Grundeinkommen weiterbestehen, jedoch mit deutlich verschobenen Machtverhältnissen. „Sollte es das Grundeinkommen geben, so besitzt das Proletariat eben mehr als nur seine Arbeitskraft, nämlich das gesellschaftlich durchgesetzte Recht auf Grundeinkommen.“ (Reitter 2005: 35) Je höher das Grundeinkommen ist, desto mehr wird der – derzeit gesellschaftlich ungleich verteilte – individuelle Zwang zur Lohnarbeit entschärft.

Koza denkt das Proletariat als Lohnarbeiter*innen und nicht als Lohnabhängige. Deshalb missversteht er die Forderung nach Grundeinkommen als widersprüchlich. Und da er sich als Vertreter der Lohnarbeitenden sieht, lehnt er das Grundeinkommen ab. Stattdessen fordert er für ein "Gutes Leben" Arbeitszeitverkürzung, Mindestlohn und mehr Mitbestimmung in der Arbeitswelt. Diese Forderungen sind allerdings – so wichtig sie ergänzend zum Grundeinkommen sind – nur für jene zugeschnitten, die noch ein reguläres Arbeitsverhältnis haben und Vollzeit erwerbstätig sind. Jenen, die unbezahlte Arbeit leisten, Erwerbseinkommenslosen und prekär Beschäftigten ist damit nicht direkt geholfen. Ob eine Arbeitszeitverkürzung die Erwerbsarbeitslosigkeit entscheidend reduzieren könnte, ist strittig.

Und am Zwang zur Lohnarbeit ändern Kozas Forderungen gar nichts.

Abschließend bleibt positiv zu bemerken, dass Markus Koza durchaus Schritte Richtung Grundeinkommen machen will. Das Altersgrundeinkommen und ein Sabbatical-Grundeinkommen für alle Erwachsenen können wir gemeinsam fordern.

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Gepp, Joseph (2017): 'Bedingungsloses Grundeinkommen': Bestechende Idee, viele offene Fragen. https://www.profil.at/wirtschaft/bedingungsloses-grundeinkommen-bestechende-idee-fragezeichen-7987837.

Reitter, Karl (2005): Garantiertes Grundeinkommen jetzt! Grundrisse 12: 26-36. http://grundrisse.net/PDF/grundrisse_12.pdf.

Widek, Isabell (2017): Ein Leben lang in Geld schwimmen: Grundeinkommen: 1.000 Euro pro Kopf und Nase und ohne Leistung - funktioniert das? https://www.news.at/a/grundeinkommen-8185753.

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